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Kroatien 2013 – zwischen Felsen und Inseln

Eine Wanderfahrt an der Adria-Küste in Küste (von Ilse Wagner, Überlingen)

Als der Kroatienkenner und Fahrtenleiter Wolfgang Bukatiuk vom Waldshuter Wassersportverein (WVW) eine Rudertour in Kroatien vom 25. Mai bis 1. Juni 2013 ankündigte, waren die Rollsitze der beiden Boote der RG See-mal-Rhein schnell belegt. Die herrliche Wanderfahrt an Ostern 2011 hatte sich herumgesprochen.

Wer jemals die kroatische Küste bereist hat, war sicher beeindruckt von der landschaftlichen Vielfalt und Schönheit des mediterranen Karstgebietes. Die Region nördlich von Zadar ist vom Velebit-Gebirge geprägt, das teilweise steil zur Adria hin abfällt. Vorgelagerte Inseln schützen die Küste vor dem offenen Meer, weit ausladende Landzungen bilden Binnenmeere und herrliche Buchten, die bei günstigem Wind genussvolles Rudern ermöglichen. Unser Standquartier, die Pension von Vesna Jurlina in Seline, mit dem Wander- und Kletterparadies Paklenica Nationalpark im Rücken und dem Adria-Ausläufer „Velebitski Kanal“ direkt vor der Tür war ein idealer Ausgangsort für Rudertouren.

Hoffen auf Sonne

Zehn Ruderer reisten am Samstag, 25. Mai, nach und nach bei Sonnenschein an: Sechs im Kleinbus samt Bootshänger mit Fahrtenleitung und Mitruderern vom Hochrhein und aus Ulm, sowie ein separater PKW mit einer Ruderin und zwei Nichtruderern. Die drei Überlinger flogen direkt von Friedrichshafen nach Zadar und mieteten sich dort ein Fahrzeug.

Erfreut, dem deutschen nasskalten Wetter für eine Woche zu entfliehen wurden wir am Abend von einem heftigen Gewitter überrascht. Die Temperaturen sanken und über Nacht regnete es sich ein.

Erste Erkundungen

Der erste Rudertag begann zunächst mit einem Landausflug. Mit drei Fahrzeugen vor Ort waren wir flexibel genug nach Lust und Laune die nähere Umgebung zu erkunden. Einige Teilnehmer fuhren ins italienisch geprägte Zadar, einst Hauptstadt von Dalmatien. Andere besuchten die Insel Nin oder mögliche Ruderziele wie Novigrad am Novigradsko More und Obrovac am Zrmanja-Fluss.

Am Spätnachmittag hörte es auf zu regnen. Schnell waren Boote und Mannschaften startklar. Sogar die Sonne zeigte sich als wir die sogenannte „Riviera Paklenica“ entlang ruderten. Unsere Ausfahrt führte uns an der zunächst flachen nordöstlichen Küste nach Starigrad, einer Kleinstadt mit Hafen. Wir passierten Campingplätze, Ferienherbergen und Siedlungen. Bereits dieser Ruderausflug ermöglichte uns, die abwechslungsreiche Küste und das glasklare Wasser zu genießen.

Auf Winnetous Spuren

Am zweiten Rudertag konnten wir eine Tagestour planen. Sonne und Wolken im Wechsel verkündeten gutes Ruderwetter. Auf dem Velebitski Kanal, einem Meeresarm, ging es zum südöstlichen Ende und bald waren wir von steilen Felsen eingerahmt. Zunächst ruderten wir unter einer Autobahnbrücke hindurch in die Meerenge von Maslenica und danach unter der 60 m hohen roten Maslenica-Brücke. Nach einer kurzen Rast an einer der wenigen Anlegestellen steuerten wir den Zrmanja-Canyon an, wo sich der Zrmanja-Fluss ins Novigrader Meer ergießt. Dieser smaragdgrüne kleine Fluss hat eine beeindruckende Schlucht in das Karstgebirge geschnitten. Kurvenreich schlängelt er sich durch die bizarre und helle Felslandschaft – eine bekannte Filmkulisse und doch unberührt, an der wir uns nicht sattsehen konnten. An einem mager begrünten, sehr steilen Geröllhang kletterten Ziegen sogar bis ans Wasser, ansonsten kreisten nur vereinzelt Möwen über uns. Vor fünfzig Jahren wurden hier einige Winnetoufilme gedreht, aber weder Winnetou noch Old Shatterhand winkte uns zu. Auf der gut 15 km langen Strecke nach Obrovac begegnete uns nur ein einziges Ausflugsschiff. In der einst strategisch wichtigen Stadt hat der Unabhängigkeitskrieg der 1990-Jahre bedrückende Spuren hinterlassen.

In Obrovac angekommen entschieden wir spontan, noch so weit wie möglich flussauf zu rudern. Die Landschaft auf den folgenden Kilometern war eine Augenweide. Verwitterte Kalksteinschichten wechselten sich mit saftigen Grünflächen und Buschwerk ab, bis schließlich ein Wasserfall die Weiterfahrt verhinderte. Zurück in Obrovac legten wir die Boote an Land in der Hoffnung, sie am nächsten Tag wiederzufinden, da Wanderruderer in Kroatien bislang unbekannt sind und noch überrascht beäugt werden.

Am dritten Rudertag war der Himmel zwar ziemlich bedeckt, doch laut Wettervorhersage sollte es nicht regnen. Als wir zu zehnt mit dem Bus nach Obrovac fuhren und in die Boote stiegen, begann es leicht zu regnen. Im Zrmanja- Canyon öffnete der Himmel die Schleusen und schickte uns reichlich Wasser. Noch nicht einmal Winnetou würde bei so einem Wetter in sein Kanu steigen! Schweigsam, gefangen von der eigenartigen Stimmung, ruderten wir in dieser auch bei Regen eindrucksvollen Schlucht weiter. Als wir uns der Maslenica-Brücke näherten, blickten wir kurz nach oben und hofften, dass jetzt kein Bungee-Jumper in unsere Fahrrinne springt. Als wir Seline erreichten, waren wir nass bis auf die Haut und sehnten uns nach einer heißen Dusche und trockenen Kleidern.

Meeresarm Velebitski Kanal

Am vierten Rudertag schien in der Frühe schon die Sonne. Da hieß es schnell in die kurzen Hosen steigen, Sonnencreme auftragen und losrudern. Diesmal war die Küste in nordöstlicher Richtung unser Ziel. Das spiegelglatte Wasser glitzerte im grellen Licht des Südens, während wir genüsslich über das Städtchen Starigrad hinausfuhren. Mit einem Seitenblick betrachteten wir Felsschichten und kleine Plateaus, wo hin und wieder gelber Ginster leuchtete. Bis zu unserem Etappenziel, dem Örtchen Tribanj, sahen wir eine schöne Bucht nach der anderen. An einigen Ufern standen pastellfarbene neue Häuser umgeben von Steinmäuerchen, in anderen waren nur Ruinen und verlassene Häuser sichtbar. Einer der Hänge war kunstvoll mit neuen Steinterrassen für Oliven- und Weinanbau angelegt. In einer Badebucht mit Restaurants gingen wir an Land und kehrten zu einem ausgiebigen Mittagsessen ein. Mit vollem Bauch und viel Sonne auf dem Rücken ruderten wir gemächlich wieder die Küste entlang zurück nach Seline. Abschließend wagten einige Mutige ein kurzes Bad in der noch kalten Adria.

Bummel in Biograd na Moru

Am fünften Rudertag regnete es am Morgen stark und an Rudern war noch nicht zu denken. Die meisten Teilnehmer entschieden sich für einen Bummel in Biograd na Moru, einer Hafenstadt 20 km südöstlich von Zadar. Die Altstadt war schnell besichtigt und für eine Kaffeepause setzten wir uns in eines der vielen Lokale am Yachthafen. Als der Regen ganz aufhörte drängte es uns wieder nach Seline. Somit blieb noch Zeit für eine ausgiebige Nachmittagsrudertour auf dem Velebitski Kanal ehe es am Abend wieder regnete.

Rudern oder nicht Rudern?

Auch am sechsten und letzten Rudertag wollte der Regen nicht weichen. Vier Teilnehmer wagten sich im Lauf des Vormittags trotzdem aufs Wasser, die anderen wählten das Auto zu einer Erkundungsfahrt. Einige besichtigten den Hafenort Novigrad, den wir wegen Wind und Regen leider nicht mit dem Ruderboot ansteuern konnten. Andere Teilnehmer fuhren die Küstenstraße entlang, nahmen die Fähre zur Insel Pag und kehrten über die langgestreckte, ca. 60 km lange Insel zurück, von der wir bislang beim Rudern immer nur die landzugewandte steinige Felsküste sehen konnten. Sie bot überraschend schöne, stimmungsvolle Ausblicke, das traditionsreiche Städtchen Pag, und blühende Kräuter auf den Schafsweiden, die Grundlage für den berühmten Pager Käse „Paški sir“. Natürlich wurde auch Ausschau nach neuen Rudermöglichkeiten gehalten!

Reichlich aufgetischt

Die mediterrane Küche in der kroatischen Küstenregion ist durchaus empfehlenswert. Abgesehen von fangfrischen Fischen, meist gegrillt, sind die Fleischportionen mindestens doppelt so groß wie bei uns. Unsere Wirtsleute luden zu einer landestyp ischen Spezialität, der „Peka“ ein: Ein Schmorgericht in riesiger Eisenpfanne, gefüllt mit verschiedenen Fleischsorten, Kartoffeln und vielerlei Gemüse. An einem anderen Abend, dem einzig lauen, grillten sie für uns in ihrem Garten direkt am Strand Doraden und verköstigten uns mit gartenfrischen Beilagen. Dazu gab es mundigen Rotwein aus der Region oder Bier, „Pivo“, genannt. Verwöhnt wurden wir von unserer Wirtin Vesna Jurlina auch zum Frühstück mit immer neuen Überraschungen. Nachdem sie unsere Vorlieben aufmerksam beobachtet hatte, gab es lokale Spezialitäten: Schinken, Wurst, Käse, Honig, köstlichen Joghurt und eine Art Frischkäse. Dazu hat sie schon am frühen Morgen für uns gebacken, mal Crepes, mal Pizza oder „Burek“, ein Blätterteiggericht mit Frischkäse gefüllt. Es war unmöglich, das alles zu bewältigen, wir „mussten“ schließlich auch noch rudern!

Alles geht zu Ende

Auch dies war wieder eine erlebnisreiche Wanderruderfahrt in der grandiosen steinigen Landschaft Kroatiens, mit der facettenreichen Inselwelt, der kristallklaren Adria und seinen herzlichen, gastfreundlichen Bewohnern. Somit konnte selbst der Regen der stets gut gelaunten und unternehmungslustigen Mannschaft nicht viel anhaben. Für die Rückfahrt mit Bus und Bootshänger nahm Wolfgang Bukatiuk die Küstenstraße, damit die Mitreisenden möglichst lange aufs Meer schauen und bei einem Halt an einem Strand in der Kvarner Bucht noch kurz in der Adria schwimmen konnten.

Tipps für Nachfahrer:

Unsere (sehr empfehlenswerte) Unterkunft hiess:
Appartements JURLINA,
Seline Franje Tudmana 155,
HR-23224 Starigrad-Paklenica,
e-mail: sinisa.jurlina@zd.t-com.hr
https://www.kroatische.de/unterkunft/appartements-jurlina-seline.htmlSehr freundlich und zuvorkommend, gute Tipps, preiswert, sehr guter Bootslagerplatz in ruhiger Bucht. (Schulnote: 1)

Zwischenübernachtung im ruhig gelegenen:
Motel FINIDA.
Obrov 76.
SLO-6243 Obrov,
e-mail: info@finida.net
https://www.finida.netViel Platz vor dem Haus für Bootstransporter, gutes Frühstück, gute Küche à la card, gute Speisekarte.

Viele Bilder und Tipps aus der Region:

https://www.zeitlose-mediterrane-schoenheit.de/?page_id=7465

Fotos: Ilse Wagner, Rolf Hospach,Wolfgang Bukatiuk

VERÖFFENTLICHT VON UNTER Kroatien AM 1. Juni 2013

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