Tourberichte


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Vogalonga 2019

Benvenuti a Venezia – Willkommen in Venedig

Im Anschluss an die idyllische Kroatien-Rudertour war das quirlige Venedig zu Wasser und zu Land das krasse Gegenteil. Wie viele andere Wassersportler hieß uns die Lagunenstadt für die 45. Vogalonga willkommen, die traditionell am Pfingstsonntag stattfindet. Für Annette und Norbert war es bereits die 17., für manch andere See-mal-Rheinler die erste Teilnahme an diesem einmaligen Wasserspektakel in historischem Ambiente.

Blick nach San Giorgio Maggiore

Ankunft auf dem Lido di Venezia

Am Freitag, den 7. Juni, erreichten sieben Kroatienteilnehmer im Kleinbus, samt Bootshänger mit „Kadima“ und „Terza“, nach einer längeren staufreien Anreise den Fährhafen von Mestre. Bereits auf dem Hinweg zum Lido di Venezia, entlang des Canale della Giudecca, begeisterte uns der Anblick von Venedig mit den geschichtsträchtigen Prachtbauten. Die vielen Schiffe, Fähren und Vaporetti, sog. Wasserbusse, wühlten die Wasserstraßen heftig auf. Am Lido angekommen, fuhren wir in den gleichnamigen Ort Lido, wo Norbert einen Stellplatz für den Hänger mit Slipanlage für „Kadima“ kannte. In der kleinen Villa „Angelica“, einer idyllischen Pension, wo nicht alle Teilnehmer unterkamen, trafen sich Ruderer samt Begleiter, um gemeinsam zum Abendessen zu gehen.

Von Insel zu Insel – Lido, Sant‘ Erasmo, Murano, Lido: 25 km

Bereits am Morgen war es schwülwarm, als Norbert die Mannschaften für beide Boote einteilte. Auf den markierten Wasserwegen ging es zunächst zur Gemüseinsel Sant‘ Erasmo, der größten Insel in der Lagune. Bekannte Produkte sind zarte Artischocken sowie grüner, dünner Spargel. Der dortige Sandstrand lockte viele Besucher an, die unter Sonnenschirmen den vorbeifahrenden Fähren und Kreuzfahrtriesen nachschauten. Hier schoben wir die Boote an den Strand und gönnten uns einen Mittagssnack. Danach steuerten wir die Glasbläserinsel Murano an und gingen auf ein leckeres Eis an Land. Auf dem Rückweg entlang des Arsenale konnten wir vom Wasser aus einen Blick auf Kunstwerke der Biennale werfen. Dann ging es zurück zum Lido, wo wir in einem Kanal unweit der Villa Angelica beide Boote an der Kaimauer festmachten. Obwohl der Abend zur freien Verfügung stand, traf man sich noch auf einen Drink in einer der vielen Bars.

Highlight „Vogalonga“ am Pfingstsonntag: 42 km

Seit 1974 schlägt die Vogalonga „hohe Wellen“, aber nicht auf dem Wasser. Seit dieser Zeit findet eine Art Kampagne von muskelbetriebenen Booten gegen Motorboote und riesige Kreuzfahrtschiffe statt, die reichlich Wellen und Verschmutzung in der Lagune verursachen. Lange vor dem Startschuss um 9 Uhr reihten sich bei strahlendem Sonnenschein im Markusbecken ca. 6.000 „Vogatori“ in ungefähr 1.650 Booten aneinander. Darunter auch „Terza“, die hauptsächlich schnell sein wollte. „Kadima“ sollte mit ihrem Blumenschmuck und elegant behüteter Mannschaft besonders schön sein.


Die 30-km-Rundstrecke führte über die Isola Sant‘ Elena, die Isole Le Vignole entlang von Sant‘ Erasmo zunächst auf dem Inselkanal durch Burano. Hier ging es noch gesittet zu, und kaum jemand fühlte sich bedrängt. Ein besonderer Anblick waren wieder die vielen Gondeln mit Stehruderern, die mit Grandezza elegant durch die Wellen glitten, ohne umzufallen. Neben vielen Drachen-, Paddel- und Ruderbooten gab es sogar Stehpaddler sowie Fahrräder auf Schwimmkörpern.

Voga alla Veneta


Die Strecke führte dann auf einer längeren Geraden bis Murano. Auf dem nächsten Abschnitt zurück nach Venezia nahm der Verkehr im großen Mittelfeld zu. Beim Einfädeln in den engen Canale Cannaregio begann wieder das übliche Gedränge bis zum Canal Grande. Obwohl Taucher und Polizei versuchten, das Chaos zu entwirren, schlängelten sich wieder Paddler zwischen Großboote, und lärmende Drachenboote drängten rücksichtslos nach vorne. Gondeln hatten es hier leichter durchzukommen als Ruderboote mit Auslegern, Skulls oder Riemen, die mehr Platz zum Fortbewegen benötigen.


Trotz allem „Hauen und Stechen“ steuerte Capitano Felix das Kapellenboot souverän weiter oder ließ sich manchmal weiterschieben. Im Canal Grande dann endlich die aufmunternden Zurufe „Voga, voga“ (rudert, rudert) der begeisterten Besucher auf der Rialtobrücke. Da wir nicht stehen bleiben durften, konnten wir nur zurückwinken.

Schließlich nahmen alle Teilnehmer am Ende des Canal Grande glücklich und zufrieden Medaillen und Teilnahmebescheinigungen entgegen. Nach und nach löste sich das Gedränge der Vogalonga-Boote auf, dafür waren wieder reichlich Motorboote unterwegs. Der übliche Tanz auf den Wellen ging bis zum Lido weiter. Als „Kadima“ zurückkam, lag die schnellere „Terza“ bereits im Kanal unweit unserer Unterkunft. Bei einem „ungeduschten“ Drink in einem Strandlokal trafen sich die Mannschaften beider Boote wieder. Zum gemeinsamen Abendessen in einem Gartenlokal waren wieder alle frisch und munter.

Idyllisch von Lido zu Lido: 35 km

Diesmal blieben wir auf der beschaulichen Lidoseite. Der „Lido di Venezia“ ist die mittlere Insel der Venedig vorgelagerten Nehrung, die von Chioggia bis Jesolo reicht und die Lagune von Venedig von der offenen Adria trennt. Bereits im 19. Jh. entstanden hier luxuriöse Hotels und mondäne Seebäder. Noch immer ist es eine Augenweide, entlang der prachtvollen Villen mit morbidem Charme zu rudern. Am südlichen Ende des Lido querten wir den Malamoccokanal – Eingangstor für Frachtschiffe in die Lagune – zur Insel Pellestrina mit 11 km Länge und meist nur wenigen Hundert Metern Breite. Diese karge Insel ist noch sehr ursprünglich mit ziemlich maroden Pfahlbauhütten für Muschelfischer der Lagune, die aussehen als würden sie beim nächsten Sturm im Meer versinken. An einem der wenigen Lokale legten wir an und kehrten gemütlich ein. Vom gleichen Ufer ging es danach wieder zurück zum Lido di Venezia, wo beide Boote sofort auf den Hänger geladen und abfahrbereit festgezurrt wurden. Später traf man sich in Kleingruppen zum Aperitif, Essen oder Absacker.


Biennale – Kunst und Kultur in Venedig

Am nächsten Tag nahmen wir gemütlich ein Vaporetto nach Venedig und stiegen an der Haltestelle „Giardini“ aus. Mit unseren Online-Tickets konnten wir ohne Anstehen in das Gelände der Biennale, um die einzelnen Länderpavillons zu besuchen. Über manche Kunstwerke und Installationen wunderten sich die Besucher aus aller Welt. Im weitläufigen Arsenale, einst Flottenbasis der Republik Venedig, ging es weiter mit Kunst und Theater. Im Arsenale Nord steht die monumentale Skulptur von Lorenzo Quinn (Sohn von Anthony Quinn): „Building Bridges“ über einem Wasserweg. Sechs Paare überdimensionaler, gefalteter Hände und Arme bilden eine bogenförmige Brücke nach dem Motto: Je gewaltiger, desto besser!


Interessant sind nicht nur die vielen Ausstellungen im Arsenale, sondern auch die in den sonst oft leer stehenden sehenswerten Palazzi der Stadt. Ein Bummel auf dem Markusplatz oder eine Vaporettofahrt auf dem Canal Grande rundeten den Venedigtag ab. Am Abend trafen sich alle zum gemeinsamen Essen im Sestiere Castello – natürlich draußen.

Arrivederci Venezia – Auf Wiedersehen Venedig

Am Mittwoch, 12. Juni, ging es mit der Autofähre zurück nach Mestre, wo vor einer Woche alles begann. Zum Abschied noch ein letzter sehnsüchtiger Blick zum mächtigen Markusturm und den Dogenpalast. Vielleicht überlegen es sich die heutigen „Dogen“ von Venedig doch noch, die riesigen schwimmenden Luxushotels vor die Stadt zu verbannen. Der Rückweg über den Gotthard-Tunnel dauerte um einiges länger, als die geplante Route über den San Bernadino-Tunnel, der kurzfristig wegen eines Lawinenabgangs gesperrt war.

Mille Grazie an Norbert und Annette für die Organisation, den Fahrradlanddienst sowie Bootstransport. Vielen Dank ebenso an alle Teilnehmer!

Venedig ist immer wieder eine Ruderreise wert – Arrivederci e alla prossima!

VERÖFFENTLICHT VON UNTER Allgemein AM 25. Juni 2019

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